Roggen

Starker Partner vom Feld…


Widerstandsfähig ist er, genügsam und gut. Roggen ist wie ein starker Partner. Kein Wunder schätzt ihn die Biolandwirtschaft, haben ihn Kennerinnen und Kenner vollwertiger Backwaren neu entdeckt. Roggen ist ein sehr altes Getreide. Bis in hohe Lagen und auch in trockeneren Gegenden gedeiht er gut. Kälte scheut er nicht, nur nasse Füsse sind ihm zuwider. Roggen braucht in der Blütezeit unbedingt gutes Wetter, weil er im Gegensatz zu Weizen, Dinkel oder Gerste ein Fremdbestäuber ist. Mit seinem grossen Wurzelwerk sorgt er für die Regeneration müder Böden und wirkt auch dem Unkraut gut entgegen.
 

…über die Küche bis auf den Teller

Mit reichlich Vitaminen und Mineralstoffen, wie Kalzium, Fluor, Kalium und Natrium, sind Roggenkörner komprimierte Kraftpakete. Als Zugabe für den Brotteig eignen sie sich ebenso wie für ein herzhaftes Risotto. Vermahlen zu Mehl, zeigt Roggen seine feinen Seiten: Backwaren aus Roggenmehl überzeugen durch den aromatisch-nussigen Geschmack und sind sehr fein. Dank ihrer wasserspeichernden Ballaststoffe sind sie länger haltbar. Aufgrund seines hochprozentigen Ausmahlungsgrades (98%) enthält Biofarm Roggenvollkornmehl das ganze Korn mit Keimling. So bleiben dem Mehl wertvolle Nährstoffe für eine vollwertige Kost erhalten. Damit gelingen feine Sauerteigbrote, kräftige Brotteige – wie etwa das bekannte Roggenbrot aus dem Wallis – oder auch dunkle Mehlmischungen mit Weizen. Apropos Weizen: Für gewisse Menschen ist Roggenmehl verträglicher, denn sein Gluten-Gehalt ist geringer als der des Weizens. 


Wo einst der Aaregletscher lag

Mitten in der kleinen Berner Gemeinde Wynau steht an der Hauptstrasse der Hof von Familie Richard. Bereits in dritter Generation wird dieser Pionierbetrieb nach den Richtlinien des Biolandbaus bewirtschaftet. Immer schon kultivierten seine Besitzer Roggen und dies immer auch für Biofarm. Biolandwirt Gerhard Richard führt an den Rand seines prächtigen Roggenfelds. Die Ähren wippen im Wind unter der gleissenden Junisonne als würden sie den Passanten entgegenblinzeln. «Der Roggen eignet sich gut für diesen Boden hier mit wenig Humus. Es ist ein genügsames Getreide, und er benötigt nicht viel Dünger», sagt der Biobauer. Er zeigt auf das nahegelegene Kieswerk hinter dem Feldrand. Seit den fünfziger Jahren wird zwischen dem Dorf Wynau und dem Naturgebiet Murg Kies abgebaut. Es stammt vom Aaregletscher, der einst bis ins Mittelland reichte. In der biolandwirtschaftlichen Praxis ist die Vielfalt an verschiedenen Ackerkulturen und Anbaupausen ein wichtiges Grundelement der Fruchtfolge.
 

Körner die brechen sind gut

Den Roggen baut Gerhard Richard nach Weizen, Hafer und Linsen an. Im September sät er ihn aus und fährt im März/April einmal mit dem Striegel über den Acker, um gegen das Unkraut anzugehen. In aufwändiger Handarbeit beseitigt er Blacken und Disteln. Über die Jahre erntet der Landwirt für Biofarm zwischen 25 und 50 kg Roggen pro Are und bringt ihn in die Landi Oberbipp. Den richtigen Erntezeitpunkt zu treffen sei besonders wichtig, sagt er. Ist in der Erntezeit eine Regenperiode angesagt, besteht die Gefahr, dass die Körner schon in der Ähre auskeimen. In einem solchen Fall kann die Ernte nur noch als Futtergetreide Verwendung finden. Gerhard Richard: «Wenn man Roggenkörner auf den Zähnen zerbeisst und sie brechen, dann sind sie gut.» Er nimmt zudem Proben aus dem Feld, um den Feuchtigkeitsgehalt seines Roggens zu messen. Maximal 14,5% seien gut, hält er fest, doch wenn Schlechtwetter angesagt sei, würde er ihn schon bei 16% dreschen lassen. Und er betont: «Dann muss man den Roggen aber sehr rasch in die Sammelstelle bringen und nachtrocknen können, sonst wird er grau und klebt zusammen.»  

Gerhard Richard & Catherine Schafer

Biofarmer und Roggenproduzent
aus Wynau.


Produktion für Biofarm

Schweizer Roggenkörner